|
||||||||
1. Alter Garten/ Museumstreppe
Mehr als tausend Jahre alt soll der Schlossgeist sein, manche Leute meinten sogar, das Petermännchen wäre für die Menschen, die hier schon vor zweitausend Jahren lebten, der Lichtgott gewesen. Vieles Andere wird über seine Herkunft gemutmaßt. Der teuflische Fluch des Priesters Vor tausend Jahren lebte hier und in den Wäldern des westlichen Mecklenburg das slawische Volk der Obotriten. Eines Tages brachen zum wiederholten Male deutsche Krieger in ihr Gebiet ein. Den Sachsenherzog Heinrich den Löwen gelüstete schon seit langem nach diesem fruchtbaren Land. Die Obotriten und ihr König waren der Übermacht nicht gewachsen. Der König brannte die Burg ab und floh mit seinen Getreuen über den See. Nach ihrem Sieg verboten die Eroberer alles, was ihrer Lebensart widersprach. So war es den Obotriten unter Androhung der Todesstrafe untersagt, die alten Götter anzubeten oder ihnen Opfer zubringen. Das erschien ihnen frevelhaft. Manch einer ließ lieber sein Leben, als die eigenen Götter zu verraten. Petermännchen ist zwar im Schloss sesshaft, also ein Hausgeist, zugleich aber ist er ein Wandelgeist. Er kann durch die Luft fliegen, hat jedoch auch unterirdische Gänge und eine Wohnung und Schatzkammer im See. Manchmal ist er ein rechter Spaßvogel, poltert im Schloss herum, neckt die Leute auf allerlei Art und treibt Scherze mit ihnen. Vor allem aber liebt er Gerechtigkeit. Die Guten belohnt er reichlich aus seinem großen Schatz, die Bösen verprügelt er schon mal tüchtig oder bringt ihre Schandtaten anderweitig ans Tageslicht. Dabei macht er sich meistens unsichtbar. Manchmal aber zeigt er sich auch den Menschen, in ganz auffallender Kleidung, um Schönes oder Schlimmes anzukündigen.
12. Staatskanzlei
Die Straße hinter dem Kollegiengebäude heißt Klosterstraße. An dieser Stelle standen noch vor 500 Jahren Kloster und Kirche der Franziskanermönche. Sie waren Menschen, die ihr Leben ganz und gar Gott geweiht hatten. Deshalb hatten sie gelobt, auf Reichtümer und Genüsse zu verzichten und also in Armut und Keuschheit zu leben. Aber etliche hielten ihr Versprechen nicht lange. Zum Alten Garten hin stand vor den Klostergebäuden der Pranger. Das war der Schandpfahl, an den man Verbrecher und andere Missetäter band und öffentlich zur Schau stellte. Eigentlich hätte so mancher Mönch hierher gehört. Der Poltergeist Puck Der Klostervorsteher des Franziskanerklosters begab sich einstmals in Verrichtung etlicher Geschäfte nach Lübeck. Er hatte einen Mönch zur Begleitung mitgenommen. Bei der Heimkehr irrten sie in der Dämmerung vom Wege ab und gelangten in das Dorf Klein Brütz nahe Schwerin. Dort begaben sie sich auf den Hof des Edelmanns von Halberstadt. Der gastfreundliche Hausherr war ein rechter Schalk. Er überließ dem Klostervorsteher und seinem Begleiter als Nachtquartier eine ganz besondere Kammer. In der nämlich trieb ein Poltergeist sein Unwesen. Man nannte ihn den Puck. Und tatsächlich, kaum waren die Mönche eingeschlafen, da zupfte der Puck sie sehr unsanft an ihrem ohnehin spärlichen Haarkranz, kniff sie in Wangen und Zehen und warf sogar die Betten um, dass das Oberste zuunterst und das Unterste zu Oberst zu liegen kam. Poltern und Rumoren nahmen kein Ende. Zuletzt, um endlich Ruhe zu haben, entschloss sich der Klostervorsteher, den
Quälgeist zu beruhigen, indem er ihn mit „lieber Bruder“ anredete und versprach, ihn als Diener für sein Kloster mitzunehmen und ihn stets gut zu behandeln. Das gefiel dem Puck wohl. Als Lohn wünschte er sich ein buntes Röckchen, mit allerlei leuchtenden Farben und mit vielen Glöckchen behangen, die bei jeder Bewegung lieblich klingen sollten. Am anderen Morgen eilte er den beiden Mönchen voraus. Im Kloster machte er sich unsichtbar und bestellte beim Koch ein Mittagessen für sie. Der hörte zwar die Stimme, sah aber niemanden. Vor Schreck ließ er den großen Rührlöffel fallen. Das Franziskanerkloster wurde aufgelöst, die Kirche abgerissen. Die Mönche hatten es doch zu arg getrieben. Währenddessen sollte auf der Burginsel eine Schlosskirche gebaut werden. Dazu benutzte man die Steine der Klosterkirche. Gespenster haben es nun so an sich, mit den Steinen ihres Gemäuers mitzuwandern. Und so wurde der Glockenturm der Schlosskirche auf der Burginsel zum Lieblingsplatz des Poltergeistes Puck oder des Petermännchens, wie man ihn später nannte. Hier war er inmitten seiner Klostersteine. Aber da blieb er ja, wie ihr inzwischen wisst, nicht hocken. Vom Schloss aus führte der Sage nach ein unterirdischer Gang bis zum Regierungsgebäude, also hier unter uns entlang. Der einstige Hofgoldschmied Karl Schomaker erzählte (das ist ungefähr 150 Jahre her): Petermännchen pustet die Laterne aus Der Großvater des Herrn Schomaker war der Haus- und Maschinenmeister Ohloff. Eines Tages betrat er mit dem damaligen Schlossbaumeister Demmler diesen Gang. Das war beim Regierungsgebäude. Sie führten eine Laterne mit sich. Bis zur Hälfte schafften sie es unter dem Alten Garten hindurch. Plötzlich erlosch das Licht. Der Grund dafür war nicht zu erkennen. Die beiden Männer hatten jedenfalls keinen Luftzug bemerkt. Nur mit Mühe fanden sie den Weg wieder zurück. Petermännchen wird die Laterne ausgepustet haben, dachten sie sich. In seinem Reich hat niemand ungebeten etwas zu suchen.
Die teuflische Dachluke Auf der Stelle, wo jetzt das Kollegiengebäude steht, befand sich zuvor der alte Marstall. Diesen soll der Teufel in einer Nacht gebaut haben. Als aber der Hahn krähte, fehlte noch eine Dachluke. Die Schweriner verwunderten sich erst, wie jemand, der in einer Nacht ein so großes Haus errichten konnte, die kleine Dachluke nicht auch noch fertig brachte. Sie machte aber nicht viel Federlesen und beeilten sich, sie einzusetzen. Am nächsten Morgen war sie jedoch fort. Sie taten es immer und immer wieder, vergebens. Sobald der Morgen anbrach, war die Dachluke verschwunden. Der Teufel muss sie geholt haben. Er duldete es wahrscheinlich nicht, dass eine Menschenhand das vollbrachte, was ihm versagt geblieben war. Und wenn es nur um eine Dachluke ging. Wer kennt schon die Gedanken und Gefühle eines Teufels.
20. Kaninchenwerder - die Lindwurminsel Der Fischer auf dem Lindwurm Auf Kaninchenwerder soll ein Lindwurm hausen. Andere sagen, im Berg auf der Insel Ziegelwerder lebe er, auch da hätten die Leute vernommen, wie er sich in den See wälze. Die Bost wurde bisher aber nur von wenigen gesehen, meistens bloß gehört. Das Reiterhorn Ein Kosak soll vor 200 Jahren, zur Franzosenzeit, einmal etwas Unrechtes getan haben. Zur Strafe wurde er in Schwerin dazu verurteilt, in den See zu reiten. Unerklärlicher Weise ertrank er nicht, sondern kam mit seinem Pferd bis zu dem Stein. Mit einem gewaltigen Satz sprang das Pferd aus dem Wasser hinauf, so dass der Huf in den Stein drückte. Der Kosak verschnaufte, setzte eine Flasche Wein an den Mund und trank sie voller Freude über den erfolgreichen Ritt in einem Zug aus. Dann zog er die Pistole und schoss in die Luft. Das sollte den am Ufer wartenden Kameraden zeigen, dass er noch am Leben war. Dann ritt er weiter und kam tatsächlich wohlbehalten auf der anderen Seeseite in Görslow an. Das hätte er nicht für möglich gehalten, das ging doch nicht mit rechten Dingen zu! Ob sich dieses Wunder wiederholen ließe? Übermütig wendete er das Pferd und ritt durch den See zurück. Doch am Stein sah man ihn zum letzten Mal. Deshalb heißt diese Stelle bis zum heutigen Tage „Reiterhorn“.
21. Wald von Zippendorf nach Mueß Ein schelmischer Bauer narrt den Wilden Jäger Ein Bauer kam einstmals betrunken in der Nacht von der Stadt. Sein Weg führte ihn durch den Mueßer Wald. Da hört er die Wilde Jagd und das Getümmel der Hunde und den Zuruf des Jägers in hoher Luft. "Midden in den Weg: Midden in den Weg!" Allein er achtet nicht darauf. Plötzlich stürzt aus den Wolken nahe vor ihn hin ein langer Mann auf einem Schimmel. "Hast Kräfte?" ruft der, "wir wollen uns beide messen.“ Er wirft dem Bauern das Ende einer Eisenkette zu. „Hier die Kette, fasse sie an! Wir wollen doch sehen, wer am stärksten ziehen kann." Der Bauer fasst beherzt die schwere Kette, und hoch auf schwingt sich der Wilde Jäger. Indessen hat der Bauer die Kette um eine nahe Eiche geschlungen. Vergeblich zerrt der Jäger. "Hast gewiss das Ende um die Eiche geschlungen?" ruft der Wod aus der Luft. „Nein," schreit der Bauer, „wie werd ich!" „Lass sehen,“ keucht der herab steigende Wod. Derweil aber hat der Bauer die Kette rasch vom Baum gelöst. „Sieh,“ spricht er und tut, als wäre auch ihm die Luft knapp, „so halte ich sie in meinen Händen." "Und wärst du schwerer als Blei," ruft der Wilde Jäger, "so musst du dennoch hinauf zu mir in die Wolken!“ Erneut schwingt er sich empor. Der Bauer jedoch lässt sich nicht einschüchtern. Geschwind schürzt er die Kette wiederum schnell um die Eiche. Die Hunde bellen, die Wagen rollen, die Rosse wiehern dort oben, die Eiche kracht an den Wurzeln und scheint sich seitwärts zu drehen. Dem Bauern wird bange, aber die Eiche steht. Vergeblich zerrt der Wod. Ermattet stürzt er hernieder. "Hast doch die Kette um die Eiche geschlagen!" spricht er. "Nein, nein" erwidert der Bauer, der sie eiligst losgewickelt hat, "sieh, so halte ich sie in meinen Händen." "Hast brav gezogen," sprach da der Jäger. "Mein wurden schon viele Männer, aber du bist der erste, der mir widerstand. Ich werde dich belohnen!" Laut ging die Jagd ab. "Hallo, holla! Wohl! Wohl!" Der Bauer geht froh seines Weges weiter. Da stürzt aus ungesehenen Höhen ein Hirsch ächzend vor ihn hin, und der Wod ist da. Er springt vom weißen Ross und zerlegt eiligst das Wild. "Blut sollst du haben", spricht er zum Bauern, "und ein Hinterteil dazu". "Herr," sagt der Bauer, "siehe, dein Knecht hat nicht Eimer noch Topf." "Zieh' den Stiefel aus!" ruft Wod. Der Bauer tut's. "Nun wandere mit Blut und Fleisch zu Weib und Kind." Der Wod schwingt sich wieder auf sein Ross und fliegt davon. Nun der Bauer Blut im Stiefel trägt, kriegt er es doch mit der Angst zu tun. Und die Angst erleichtert ihm anfangs die Last. Aber allmählich wird sie schwerer und schwerer; kaum vermag er sie zu tragen. Mit krummem Rücken, vom Schweiße triefend, erreicht er endlich seine Hütte, und siehe da, der Stiefel ist voll Gold und das Hinterstück ein lederner Beutel voll Silbergeld. |
||||||||
![]() |