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Westmecklenburg
Neue Heimat, neues Leben (1945 - 1951)
Nach einigen Tagen Fahrt kamen wir
im mecklenburgischen Alt Jabel, Kreis Ludwigslust, mit unseren Habseligkeiten an. Wir
wurden vom Bahnhof mit Pferdewagen nach Neu Jabel gebracht. Dort sammelte man die
Flüchtlinge in einen Saal. Wir waren ungefähr 200 Leute, einige auch aus Graudenz, aber
auch die kannten wir, bis auf eine Familie, nicht. Wir wurden auf die einzelnen Gehöfte
verteilt. Meine Mutter sollte zu Albrechts. Der Bauer B. fragte sie, ob ich nicht zu ihm
kommen könne. Seine drei Söhne wären im Krieg. Ich könnte ja auch jeden Abend zur
Mutter "nach Hause". Ich ging mit.
Neu Jabel, ein verschneites Dorf im Januar 1945. Vielleicht 200
Einwohner; es war ein Reihendorf, d.h.die Häuser standen an der Straße, und hinter ihnen
lag das dazu gehörende Land. Die meisten Bauern hatten aber auch noch gepachtetes Land an
anderen Stellen. Das Dorf bestand aus Bauern, Büdnern und Häuslern. Die Büdner hatten
zwar weniger Land als die Bauern, aber wenigstens Pferde zur Bewirtschaftung ihres Ackers,
die Häusler spannten meistens Kühe vor den Wagen. Die Kühe wurdn auch zum Pflügen und
zu anderen Arbeiten verwendet. Außerdem gaben sie ja auch Milch. Zum ersten Mal sah ich,
daß auch Kühe in der Lage sind, einen wagen zu ziehen.
Bei B.s bekam ich erst einmal etwas warmes zu essen. Dann ging ich zu meiner Mutter. Sie
hatte zwei Zimmer und eine kleine Küche bekommen, die Wohnung war aber bis auf einen
Schrank und die Betten leer. Da standen wir nun, arm wie Kirchenmäuse, ohne Hab und Gut.
Dieses eine Mal war meine Mutter doch traurig und verzagt. Aber sie verbarg es, so gut es
ging.
Sie erhielt Lebensmittelkarten,die Versorgung war etwas besser als in Graudenz, Gemüse
und Kartoffeln bekam man hier leichter ...
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